03 - Die Magie des vermeintlichen Scheiterns

Shownotes

Manchmal läuft es nicht nach Plan – und genau dann zeigt sich, was wirklich in uns steckt. In Folge 3 von "Hire & Higher" geht es um die Kraft von Umbrüchen: Was passiert, wenn etwas scheitert? Und wie kann genau daraus neue Energie entstehen?

Zu Gast ist Nico Hartlieb-Weigner, Head of HR Development & Contract Manager bei LuckyChef. Nico verbindet Pragmatismus mit Empathie: Er denkt in Strukturen, redet Klartext und behält dabei das Menschliche im Blick. Wir sprechen über Wendepunkte, über Authentizität im Job und darüber, was es heißt, HR mutiger zu denken.

In dieser Folge erfährst du:

  • warum Rückschläge oft der Startpunkt für echte Weiterentwicklung sind
  • wie Authentizität zu Klarheit und besseren Entscheidungen führt
  • wie HR Menschen in Umbruchsituationen stärken kann

Links Jobware: https://www.jobware.de LuckyChef (Website): https://www.luckychef.com Jobware auf LinkedIn: https://www.linkedin.com/company/jobware-gmbh/posts/?feedView=all Nico Hartlieb-Weigner auf LinkedIn: https://www.linkedin.com/in/nico-hartlieb-weigner/ Anna Steinhagen auf LinkedIn: https://www.linkedin.com/in/anna-steinhagen-342547197/

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Credits Host: Anna Steinhagen (Jobware) Gast: Nico Hartlieb-Weigner (LuckyChef) Produktion: Jobware GmbH

Transkript anzeigen

00:00:00: Job gekündigt.

00:00:01: Ich hatte irgendwie noch eine Woche im Job zu arbeiten und dann saß ich da und dachte mir, was mache ich denn jetzt?

00:00:16: Scheitern,

00:00:16: ein Wort, das niemand gern hört.

00:00:18: aber was wenn genau darin die große Chance steckt?

00:00:21: Darum geht's heute in dieser Folge von "Hire & Higher": Die Magie des vermeintlichen Scheiterns.

00:00:27: Und dazu habe ich jemanden eingeladen, der Scheitern nicht nur kennt, sondern daraus etwas Neues gemacht hat, also quasi die Chance genutzt hat.

00:00:35: Nico Hartlieb-Weigner ist Head of HR Development und Contract Manager bei Lucky Chef.

00:00:40: Nico, schön, dass du da bist!

00:00:42: Vielen lieben Dank für die Einladung, Anna.

00:00:43: Ich freue mich so sehr.

00:00:45: Nico hat nämlich Wendepunkte erlebt, die ihn geprägt haben: vom Startup ins Behördenumfeld, weiter in den Mittelstand und zurück in die junge schnelle Welt des Unternehmens.

00:00:54: Und er hat dabei ganz viel Herz als Pragmatiker mit Herz, er ist Strukturenbauer,

00:01:00: er redet Klartext, nimmt das Blatt nicht vor den Mund und wird uns von seinem großen Scheitern und der Magie dahinter berichten.

00:01:08: Ich freue mich wirklich sehr auf die nächsten Minuten, und bin gespannt, was du mit uns teilst.

00:01:12: Ich freu' mich auch!

00:01:13: Am Anfang stelle ich immer eine Frage – und die stell' ich dir jetzt auch: Was wolltest Du mal werden, wenn Du groß bist?

00:01:20: Ich wollte mal Richter werden.

00:01:23: Okay, du bist aber schon mal in die richtige Richtung gegangen,

00:01:25: denn was ist davon übrig

00:01:26: geblieben?

00:01:27: Absolut, weil ich hab' schlussendlich Wirtschaftsrecht studiert.

00:01:30: Das heißt, es ging schon in die Richtung.

00:01:33: Lustigerweise weiß ich bis heute nicht woher das kam, dass ich Richter werden wollte.

00:01:37: Weil weder in meinem familiären Umfeld noch irgendwo im Bekanntenkreis gab es jemanden, der Richter oder nur ähnliches war.

00:01:45: Es war irgendwie auf einmal da. 

00:01:47: Jetzt bist du ja dann doch nach dem Studium in so eine andere Richtung eingeschlagen.

00:01:53: Wie hat sich das denn

00:01:54: ergeben?

00:01:55: Wie immer bei mir im Leben durch Zufall.

00:01:58: Ich finde, da liegen ja immer die größten Chancen drin.

00:02:00: Absolut!

00:02:00: So sehe ich das auch. Auch deswegen sprechen wir heute.

00:02:04: Ich bin nach dem Studium mit meinem damaligen Partner nach Berlin gezogen, weil der dort eine Ausbildung angefangen hat.

00:02:11: Und nach dem Studium, wie man dann noch ist, jung und grün hinter den Ohren, habe ich mir gedacht, die große weite Welt wartet und Berlin hat auf mich gewartet.

00:02:18: Für wie lange?

00:02:19: Ein dreiviertel Jahr knapp, glaube ich, ein knappes Jahr auf jeden Fall. Und knappe 150 Bewerbungen später habe ich festgestellt, die große weite Welt hat nicht auf mich gewartet.

00:02:31: Schade!

00:02:33: Das war damals eigentlich schon das erste Mal

00:02:36: das große Scheitern.

00:02:37: Wenn man aus dem Studium rausgeht, man ist voller Elan, voller Tatendrang. Dann geht man in eine Großstadt und merkt, auf den Berufsanfänger,

00:02:46: auf den 5., 6., 100. Berufsanfänger aus dem Studium hat einfach wirklich keiner gewartet.

00:02:51: Was hat das damals mit dir gemacht?

00:02:52: Weil das glaube ich, gerade was du sagst, diese Motivation, die man hat,

00:02:57: und dann wird einem ganz klar gesagt: Und hier sind deine Grenzen, mein Freund. Schön, dass du einen Studienabschluss hast, aber der bringt dir gar nichts.

00:03:04: Das hat sehr viel mit mir gemacht.

00:03:06: Ich habe viel drüber nachgedacht, was es eigentlich heißt -  auch für die Zukunft. Ich hatte Zeit zum Nachdenken, logischerweise, ich hatte nichts zu tun.

00:03:13: Ich habe zwischendurch Nachhilfe gegeben und habe irgendwelche Kleinigkeiten immer gemacht, weil ich bin kein Mensch, der nur rumsitzen kann. Ich hatte ein für mich ausschlaggebendes Gespräch bei einer Personalberatung in Berlin.

00:03:26: Und die Dame hat mich nach meiner Gehaltsvorstellung gefragt, und ich glaube, damals waren das 45.000 Brutto im Jahr oder so ähnlich. Und das hatte ich daher, dass im Studium immer wieder gesagt wurde von den Professoren,

00:03:38: das ist eigentlich das Gehalt, wo man hinkommen kann mit unserem Abschluss.

00:03:42: Und die Dame hat gelacht.

00:03:45: Das hat mich sehr verunsichert im ersten Moment.

00:03:46: Die war eine ganz liebe Dame. Sie hat es mir dann auch erklärt und hat gesagt: Lieber Nico, nicht in Berlin, nicht ohne Berufserfahrung.

00:03:55: Da kannst du auf jeden Fall mal 10.000 Euro wegrechnen.

00:03:58: Und dann bist du vielleicht da, wo du hinkommst.

00:04:00: Und dann hast du in deinem Umfeld, damals wollte ich Rechtsabteilung oder Personal, das war noch unsicher, dann hast du in deinem Umfeld ungefähr 100 bis 150 Bewerber, die auf die gleiche Stelle kommen, weil Berlin.

00:04:14: Die Menschen, die da studiert haben, bleiben oft nach dem Studium in Berlin.

00:04:18: Und genauso wie ich gibt's viele, die denken, die große weite Welt hat auf sie gewartet und kommen auch nach Berlin.

00:04:23: Deswegen war damals so viel Andrang auf dem Arbeitsmarkt da.

00:04:28: Und da habe ich mir gedacht, oh Mist.

00:04:30: Weil das hatte mir vorher natürlich keiner erzählt.

00:04:32: Aber du hast auch eigentlich, wenn wir ehrlich sind, nicht richtig hingehört – 45.000 sind das, wo du mal landen kannst.

00:04:40: Richtig!

00:04:40: Ja aber man muss ja hohe Ziele haben... Und das war, irgendwo war es in meinem Kopf verankert.

00:04:47: Ich kann bis heute nicht sagen wo es herkommt wie bei so vielen Sachen aber es war halt einfach da.

00:04:51: Aber das wollte mich ja trotzdem keiner,

00:04:53: auch runter gegangen bin. Und dann kam wieder eine Wendung.

00:04:59: Über fünf, sechs Ecken habe ich einen ganz netten Anwalt in Berlin kennengelernt. Eine Ein-Mann-Kanzlei, der hatte sich selbständig gemacht damals schon zwei, drei Jahre her und der hat jemanden gesucht, der ihn unterstützt.

00:05:12: Dann habe ich mit dem telefoniert und wir haben uns getroffen und haben uns wahnsinnig gut verstanden.

00:05:16: Also ein ganz lieber Mensch, begleitet mich bis heute, und dann habe ich bei ihm den Nebenjob, nennen wir es mal angefangen auf selbstständiger Basis, dann auf Stundenbasis bei den Mandanten unterstützt und hab zeitgleich einen Anruf von einem alten Klassenkamerad von mir bekommen der in München gewohnt hat.

00:05:35: Und er hat nach der Schule damals nicht wie ich studiert, sondern sich selbständig gemacht in unterschiedlichen Bereichen und hatte dann damals eine Agentur in München gegründet.

00:05:44: Das war eine der ersten Agenturen für Amazon-Händler, also eine Beratung von Amazon-Händlern am deutschsprachigen Markt.

00:05:52: Der hat gesagt, du Nico,

00:05:53: ich habe da was gegründet und das geht durch die Decke.

00:05:56: Du hast doch da irgendwas mit Wirtschaft oder Recht studiert?

00:05:59: Kannst du nicht

00:05:59: mal?! Dann habe ich mir gedacht:

00:06:02: Warum nicht?

00:06:04: Und dann habe ich bei ihm eben im Start-up meinen ersten richtigen Vollzeitjob angefangen und bin nach München gezogen.

00:06:12: Ich habe mit dem Manuel, mit dem Freund von mir, die Agentur aufgebaut.

00:06:17: Ich war damals einer der ersten Angestellten und wir haben versucht, die Strukturen zu schaffen.

00:06:23: Damals Anfang 20, Manuel gar keine Erfahrungen in die Richtung, ich nur ein Studium, also rein theoretische Erfahrung. Und haben da unser Bestes versucht, die Strukturen aufzubauen.

00:06:35: Das hat wunderbar funktioniert im ersten Jahr und er hat alles mit den Kunden gemacht, alles Operative.

00:06:42: Ich habe im Background, möchte ich es mal nennen, alle Strukturen geschaffen. Daher auch aus deiner Anmoderation,

00:06:48: daher kommt das mit den Strukturen schaffen.

00:06:50: Wir haben die Position damals genannt Leiter Recht, Personal und Finanzen. Also wir haben alles Organisatorische in einen Topf geworfen und haben gesagt, das macht Nico. 

00:06:59: Aber genau in solchen Momenten wächst man am meisten.

00:07:01: Ich habe bei meinem Lebenslauf auch eine Phase, wo ich viel die Ärmel hochgekrempelt habe und alle haben es irgendwie angepackt und es ist eine runde Sache dabei rausgekommen. 

00:07:11: Und ich profitiere heute noch so extrem davon und nicht nur unbedingt von den Learnings im positiven Sinne, sondern auch von den Enttäuschungen und den Dingen, die komischerweise nichts geworden sind.

00:07:22: Aber wenn man Anfang 20 ist oder Mitte 20, dann hat man noch diese Energie und diesen Drang.

00:07:29: Wir schaffen das auch, wenn die Tage 26 Stunden lang sind.

00:07:32: Ja, ich glaube, ich habe nie wieder so viel gearbeitet wie damals.

00:07:36: Dann bist du aus diesem Start-up weg hin in eine, wir sagen es jetzt einfach mal, verstaubtere Welt,

00:07:45: eingestaubtere Welt ein bisschen, naja, strukturiertere Welt.

00:07:47: So jetzt hab' ich, glaube ich, ein gutes Wording gefunden, das recht neutral klingt.

00:07:53: Wie war das denn?

00:07:54: Wahrscheinlich wurde dann ne Bremse für dich erst mal gezogen.

00:07:57: Ja, würde ich, glaube ich, gar nicht so sagen.

00:08:01: Die Start-up-Zeit war ja wahnsinnig dynamisch, nennen wir es dynamisch. Sowohl positiv als auch herausfordernd.

00:08:09: Ich bin damals dort gegangen weil das nicht so geklappt hat wie wir uns das vorgestellt haben.

00:08:12: So schnell wie wir aufgebaut haben, haben wir am Ende auch wieder abgebaut, weil die typischen Start-up-Fehler passiert sind und natürlich dadurch, dass wir die erste Agentur am Markt waren,

00:08:20: irgendwann haben andere gesehen, da kann man Geld verdienen und sind mit Dumingpreisen in den Markt gegangen.

00:08:25: Es war aufregend und wir haben quasi eingestellt und wieder ausgestellt ein Jahr später.

00:08:31: Und ich glaube, ich habe damals was Stabileres gesucht.

00:08:37: Es war einfach ein halbes, dreiviertel Jahr, gerade am Ende wahnsinnig aufregend, Nerven aufreibend.

00:08:44: Deswegen ist der öffentliche Dienst genau das gewesen, was ich gebraucht habe zu der Zeit.

00:08:48: Ich hab was Strukturiertes gebraucht, ich hab eine Sicherheit gebraucht. Nicht dieses jeden Tag aufwachen und oh man vielleicht gibt es morgen kein Gehalt mehr, weil dann halt durch das Thema.

00:08:59: Und deswegen war es gerade zu Beginn genau das, was ich gebraucht habe.

00:09:03: Es war ein etabliertes Unternehmen, es waren Strukturen da und es waren Kollegen mit Erfahrung da.

00:09:09: Danach hab' ich ganz wahnsinnig gesucht – der Manuel und ich in der Agentur, wir waren einfach die erfahrensten – und haben alles selber gewuppt.

00:09:19: Aber es gab nie jemanden, zu dem Mann aufschauen konnte, den man fragen konnte, wie bist du eigentlich damit umgegangen?

00:09:23: Sondern wir haben mit uns selber und mit Google gearbeitet.

00:09:27: Und deswegen war das gerade gut, auch mal die andere Seite der Skala zu sehen.

00:09:37: Deswegen waren die Strukturen gerade zu Anfang gut. Ich habe aber auf Dauer festgestellt, dass ich zu dynamisch dafür bin.

00:09:48: Zu viele Strukturen liegen mir nicht, weil ich dafür, glaube ich, zu viel Tatendrang habe.

00:09:54: Dinge schnell entscheiden möchte, Dinge schnell umsetzen möchte. Will nicht heißen, heute habe ich es gelernt,

00:10:00: Strukturen braucht jedes Unternehmen. Ohne geht es nicht. Aber eben nicht zu viel.

00:10:05: Es braucht auch eine gewisse Flexibilität und nicht feststecken in den Strukturen. Und dieses eingesperrt sein, fast wie in so einem Käfig in den Strukturen, hat mir nicht besonders gut getan am öffentlichen Dienst.

00:10:18: Zusätzlich kam Corona zu der Zeit.

00:10:20: Das war aufregend, weil das war im Krankenkassenfeld möchte ich sagen, deswegen war das auch super lehrreich und eine wirklich tolle Zeit.

00:10:31: Ich habe dort viel Verantwortung bekommen, bin da in der Personalabteilung angefangen in Teilzeit, um meinen Master dann doch nochmal nachzuholen und hab mir gedacht, ach ja Nico, Teilzeit im öffentlichen Dienst ist super.

00:10:42: Dann machst du deinen Master in Ruhe und guckst du weiter, was dann kommt und dann habe ich mich selber wieder kennengelernt: konnte ich nicht. Schneller als man gucken konnte, war ich dann doch in Vollzeit da.

00:10:55: Hatte dann noch die Projektleitung übernommen für dein Millionen-schweres Gesundheitsforschungsprojekt, was wir dort quasi mit gemacht haben und habe dann doch wieder deutlich mehr gearbeitet als ein Fulltime Job.

00:11:09: aber auch das hat mir Spaß gemacht eine lange Zeit aber eben nicht in diesen Strukturen.

00:11:16: Ab dem Moment war klar, du bewegst dich ab sofort im Personalbereich.

00:11:22: Genau, ich glaube, das war auch schon vorher klar.

00:11:24: Das hat sich herauskristallisiert in der Agentur, dadurch dass aus diesen drei Bereichen, die wir damals gewählt haben, einfach aufgrund des Wachstums die meiste Arbeit im Personal lag, möchte ich sagen,

00:11:36: hat sich das rauskristallisiert.

00:11:37: Ich hatte auch während meines Studiums schon in der Personalabteilung, zum Praxissemester, das habe ich damals bei Feinkost Käfer in München in der Personalabteilung gemacht. 

00:11:45: Also es hat sich schon... Der Weg hatte sich schon ein bisschen eingeschlagen, aber gerade in den ersten Berufsjahren ist man ja sehr flexibel, was da den Wechsel noch anbelangt.

00:11:56: So jetzt wird es Zeit, dass wir auf das Scheitern kommen.

00:11:58: Jetzt haben wir über das erste Scheitern gesprochen.

00:12:00: Aber das viel interessante Scheitern oder das Scheitern, was fernab vom klassischen Scheitern ist.

00:12:09: Du wolltest mal auf große Reise gehen und den Job mit Reisen verknüpfen.

00:12:13: Ja.

00:12:14: Wolltest...

00:12:17: Wie das Leben so spielt, sind dann sehr viele private persönliche Dinge gekommen.

00:12:23: Ich glaube, das kennt auch jeder und ein Jobwechsel muss nicht immer an dem Job oder dem Unternehmen oder an den Vorgesetzten liegen.

00:12:31: Das hat mir wahnsinnig viel Spaß gemacht.

00:12:33: Und dann kamen persönliche Dinge dazu: Krankheit von der Mutter, Trennung von meinem langjährigen Partner und einfach viel, was mich persönlich sehr belastet hat.

00:12:44: Ich hatte das Gefühl, ich muss ausbrechen.

00:12:47: Das Einzige, was mir Spaß gemacht hat, war die Arbeit. 

00:12:51: Ich habe mich in München nicht mehr zu Hause gefühlt, ich wollte da eigentlich nicht bleiben.

00:12:55: Ich hab einfach, nennen wir es Fernweh bekommen, einen Drang auszubrechen.

00:13:01: Und hab dann gesehen eine Stelle auf einem Kreuzfahrtschiff.

00:13:06: Seht ihr die Herzen in den Augen?

00:13:08: Ja!

00:13:08: Das war wirklich...und damals war's wirklich meine Rettung.

00:13:12: Lustigerweise habe ich jahrelang im Kopf gehabt,

00:13:14: ich möchte irgendwann mal auf einem Kreuzfahrtschiff arbeiten, ähnlich wie die Richter-Geschichte.

00:13:18: Absolut keine Ahnung, woher das kommt, weil weder bin ich jemals aufm Kreuzfahrtschiff gefahren, noch weiß ich nicht...

00:13:24: Und dann hab' ich mir gedacht, Mensch, bewirbst du dich halt einfach da drauf. Das war eher so eine Schnapsidee an einem Sonntagabend.

00:13:31: Klingt ja auch erstmal nach einem Abenteuer.

00:13:32: Klingt

00:13:33: nach einem abenteuer.

00:13:33: abenteuern habe ich gesucht.

00:13:34: Super, machen wir. Die Stellenausschreibungen durchgelesen.

00:13:37: Einen Punkt habe ich erfüllt, die anderen 20 nicht.

00:13:41: Kann ja nicht schaden.

00:13:42: Bewerbung raus, einfach damit was getan ist.

00:13:44: Ja,

00:13:45: weil du wolltest ausbrechen, du wolltest... Es klingt ja fast schon nach so einer kleinen... Du hattest eine kleine Krise?

00:13:51: Ich hatte eine vorgezogene Midlife Crisis, wie auch immer man das nennen möchte, einfach eine Lebenskrise.

00:13:59: Und wie das Leben so spielt, habe ich über zwei oder drei Bewerbungsrunden tatsächlich diesen Job bekommen als Personalleiter auf dem Kreuzfahrtschiff mit Personalverantwortung für die gesamte Crew, das heißt direkt unter dem Kapitän für 1.200 Crewmitglieder.

00:14:15: Und das musste ich zusagen in dem Moment. Da hab ich mir gedacht, ja, dann mache ich es.

00:14:18: Ich habe mit dem Unternehmen noch quasi die Route abgesteckt weil es so verschiedene Schiffe gibt.

00:14:24: Dann wäre die Route gegangen quer durch die Karibik, Mittelamerika-Karibik. Und über den Winter.

00:14:33: Da hab ich mir gedacht: sensationell.

00:14:35: Es klingt ja...

00:14:36: besser kannst du

00:14:36: es dir

00:14:37: ja gar nicht

00:14:38: erträumen.

00:14:39: Ja, Winter auslassen, Winter ist eh nicht mein Ding, Sonne liebe ich.

00:14:43: Der Job, der irgendwie nach Abenteuer klang. Und ich dachte mir: sensationell.

00:14:48: Also habe ich meinen, wirklich den Job, der mir wahnsinnig viel Spaß gemacht hat im Mittelstand, gekündigt, hab meine Wohnung untervermietet, hab Versicherungen gekündigt, hab monatelang mich vorbereitet auf dieses Abenteuer, auf die Reise.

00:15:02: Ich habe ein US-Visum gebraucht, ich hab Tropenschutzimpfungen gebraucht.

00:15:07: Der arme Tropenarzt musste sein Büchlein auspacken, weil es ja so viele Länder sind, die man da bereist.

00:15:12: Also ich weiß nicht mein Impfpass ist jetzt voll.

00:15:17: Ich finde, du strahlst auch ein bisschen...

00:15:18: Ja, wenn ich daran denke, es war eine wahnsinnig aufregende Zeit.

00:15:22: Das war einfach diese Vorbereitung, ich hab Sicherheitstrainings absolviert.

00:15:25: Habe das erste Mal irgendwie mich beschäftigt mit Piratenangriffen auf dem Boot.

00:15:29: Ich hab mich gefühlt wie in einem Film so ein bisschen. Und dann habe ich die Koffer gepackt.

00:15:37: Also, ich habe da zwei Gedanken.

00:15:38: Ich muss da direkt mal reingrätschen.

00:15:41: Erstmal finde ich, hast du schon das Abenteuer vor dem Abenteuern gelebt.

00:15:46: Und was aber auch ganz klar wird, man muss eigentlich gar nicht alle Anforderungen immer erfüllen.

00:15:52: Du hast eine Übereinkunft gehabt, ein Punkt hat zugetroffen und du hast überzeugt.

00:16:01: Zeigt ja auch, es ist ein wunderbares Beispiel, dass wenn man einen gewissen Drive hat und eine gewisse Motivation, man sich eigentlich jeden Job der Welt angeln möchte, wenn man sich nicht unbedingt nach den Sternen greift.

00:16:11: Aber sagen wir mal, zumindest nach den Sternen schaut.

00:16:14: Ja, und es ist vor allem, um da kurz zu bleiben, es ist 

00:16:17: der Beweis dafür, dass Erfahrungen übertragbar sind auf andere Fachbereiche oder auf andere Situationen.

00:16:24: Wenn ich mich an das Bewerbungsgespräch zurück erinnere.

00:16:26: Warum fanden die das so gut?

00:16:28: Und warum haben sie mich genommen?

00:16:29: Also, ich hatte vom Verantwortungskontext in der Vergangenheit nicht annähernd etwas in der Größe, noch war ich irgendwo in der Branche unterwegs.

00:16:40: Aber die fanden die Erfahrung aus dem Start-up so gut.

00:16:43: Also sicherlich auch das, was ich gesagt habe und das außen rum, aber dass ich denen erzählt habe, wie viel Verantwortung ich da übernommen habe, weil es halt sein musste, hat sie, glaube ich, so überzeugt, dass sie gesagt haben: Das bekommt der hin. Zumal man ja auf dem Kreuzfahrtschiff dann sieben Tage die Woche arbeitet, für drei bis vier Monate und erst dann frei hat.

00:17:05: Das ist natürlich da, glaube ich, ein großer Punkt.

00:17:07: Im Recruiting-Prozess haben Sie auch mehrfach gefragt, glaubst du, du kannst so viel arbeiten?

00:17:12: Ich habe noch nie eine 40-Stunden-Woche gearbeitet, das liegt mir fern.

00:17:17: Wochenende war für mich bis dato nie ein klassische Wochenende, also Freitagmittag Stift fallen lassen und Montagfrüh wieder aufnehmen. Und das fanden die, glaube ich, gut.

00:17:26: Aber wie das Leben so spielt, das hat dann aus, nennen wir es diversesten Gründen ein paar Tage vor Abreise nicht geklappt.

00:17:33: Es wurde für mein Dafürhalten sehr... etwas chaotisch. Und letztlich habe ich mich für mich entschieden, den Stecker zu ziehen, weil ich persönlich kein gutes Bauchgefühl mehr hatte.

00:17:48: Das war aber halt zehn Tage vor Abreise.

00:17:51: Die Koffer waren gepackt, nicht ganz fertig,

00:17:54: aber ich bin, wie man sprichwörtlich sagt, auf gepackten Koffern gesessen. Und dann habe ich diese E-Mail abgeschickt und gesagt, wir lassen das gut sein.

00:18:03: Und dann stand ich in meiner Wohnung,

00:18:05: es war sehr früh,

00:18:05: weil ich da wahnsinnig früh wach war, morgens um vier oder so, im November und stand da in meiner Wohnung, hab mich dreimal im Kreis und dachte mir wow, was genau mach ich jetzt?

00:18:17: Aber hast du dich zeitgleich nicht nur lost, sondern auch erleichtert gefühlt?

00:18:21: Es war irgendwo ganz tief drin, irgendwo war eine Erleichterung da.

00:18:25: Die kamen dann erst Tage später. Im ersten Moment

00:18:28: war es heillose Überforderung, weil ich wusste... Glücklicherweise hatte die Untermiete ein paar Tage davor nicht geklappt.

00:18:34: Das heißt, die Wohnung war noch da und es war Glück im Unglück.

00:18:39: Aber alles andere...

00:18:40: Versicherungen gekündigt, Job gekündigt.

00:18:42: Ich hatte irgendwie noch eine Woche im Job zu arbeiten und dann saß ich da. Und dachte mir, was mache ich denn jetzt?

00:18:48: Darf ich fragen:

00:18:49: Was hat dich dazu bewogen, den Job abzusagen?

00:18:53: Ich nenne es mal Kommunikationsschwierigkeiten und einfach auch wieder eine persönliche Komponente aus der Familie heraus.

00:19:03: Ich glaube, dass wir am Ende viel aneinander vorbeigesprochen haben, das Unternehmen und ich. Für mich diese Lust nach Abenteuer ist natürlich... Ich habe das im Bewerbungsgespräch nicht so sehr thematisiert.

00:19:15: Natürlich bewirbt man sich nicht auf den Job und sagt, ich möchte einfach nur ein Abenteuer machen. Aus diesen diversen Gründen war es nicht mehr das Richtige für mich in dem Moment und die Familie wollte ich nicht alleine lassen. Und hab dann eben den Stecker gezogen.

00:19:29: Final war es dann ich.

00:19:32: Das war aber auch gut so.

00:19:34: Weil, das ist ja eine meiner Kerneinstellungen, meiner Kernhaltung, man darf das Bauchgefühl nicht wegdrücken. Und sei es noch so spitz auf Knopf, möchte ich sagen. Da hat ja alles logisch Denkende in mir geschrien, du darfst diesen Stecker nicht ziehen.

00:19:55: Auch heute denke ich noch, dass wäre ne wahnsinnige Karriere-Chance gewesen, wäre es auf jeden Fall gewesen. 

00:20:01: Es wäre sicherlich eine tolle Zeit geworden und es war alles darauf ausgerichtet.

00:20:08: Ja, dann kam's ja anders als gedacht.

00:20:10: Und dann kam das anders als gedacht.

00:20:12: aber genau da liegt die Magie des vermeintlichen Scheiterns.

00:20:15: Man muss sich dann einfach zusammenreißen und sich überlegen, was mache ich aus der Situation?

00:20:20: Was hast du daraus gemacht?

00:20:22: Ich bin erstmal reumütig zu meinem geliebten Arbeitgeber gegangen, hab da die Karten auf den Tisch gelegt.

00:20:30: Die drei Jungs, die drei Geschäftsführer, waren verständnisvoll.

00:20:33: Absolut.

00:20:33: Ich habe dann auch da noch mal einen Monat verlängert, um die nachfolgende Kollegin einzuarbeiten und habe dadurch die Zeit bekommen, mich einfach noch mal zu sammeln.

00:20:42: Das war wirklich gut.

00:20:44: Ich glaube fünf Tage wären wenig gewesen.

00:20:46: Im Zweifel wäre man halt ein bisschen arbeitslos gewesen.

00:20:48: Ich glaube, auch das wäre gegangen. Aber es war hilfreich, dass ich den Job um einen Monat verlängern durfte.

00:20:56: wir haben uns auch drüber unterhalten ob ich vielleicht dort bleibe.

00:20:59: Da hab ich mich schlussendlich dagegen entschieden, weil einfach die Weichen anders gestellt waren.

00:21:04: Ich hätte gerne dann in dem Moment meinen alten Job zurück gehabt.

00:21:09: Aus Sicherheitsgründen, ne?

00:21:10: Weil man weiß, 

00:21:11: was...

00:21:11: erwartet einen.

00:21:12: Ja, und weil ich den geliebt habe.

00:21:14: Und deswegen wollte ich den gerne zurück.

00:21:18: Und die drei Chefs haben berechtigterweise, absolut berechtigterweise, gesagt: Nico, wir haben eine Nachfolgerin für dich eingestellt.

00:21:24: Wo sollen wir... Wir können doch jetzt das Rad nicht zurückdrehen!

00:21:28: Und haben mir aber ein nettes anderes Angebot gemacht, also ein bisschen, sagen wir es, Projektmanagement der Geschäftsführung

00:21:35: haben wir überlegt, ob das passen könnte. Und letztlich habe ich für mich festgestellt, emotional war ich da dann schon raus.

00:21:42: nicht weil schlecht gewesen wäre sondern durch dieses aufregende Abenteuerfeeling hatte ich mich innerlich einfach vom Unternehmen verabschiedet.

00:21:51: Dann hab' ich schweren Herzens das Angebot der Chefs abgesagt und hab gesagt, ist gerade nicht die richtige Zeit und habe angefangen, mich umzuschauen.

00:22:02: Bist du erst mal in so einen Loch gefallen?

00:22:03: Also... Du wolltest ja auf Abenteuerreise gehen.

00:22:08: Du hattest ja irgendwie das türkisblaue Wasser vor Augen... Du hast wahrscheinlich schon Salz auf der Haut gespürt und den Sand zwischen den Füßen.

00:22:18: Das muss man ja auch erstmal verknusen.

00:22:19: Klar, es war irgendwie dieses Bauchgefühl, dass dir gesagt hat, Halt, Stopp.

00:22:23: Das machst du nicht.

00:22:25: Aber trotzdem ist ja ein großer Traum geplatzt.

00:22:27: Also ich glaube, ich bin für zwei Stunden in ein großes Loch gefallen und habe auch bisschen in Selbstmitleid gebadet, was man, glaub' ich, auch mal muss, war aber relativ schnell wieder raus aus dem Loch. Was heißt nicht, dass es nicht gedauert hat, bis ich das verdaut hatte, weil natürlich wie du sagst das türkisblaue Wassers...

00:22:43: Ich glaube, es gibt keinen Menschen auf dieser Erde, der sich jemals so viele Kreuzfahrt-Reels auf Instagram angeschaut hat und gespeichert hat und genau die Route sich angeschaut hat und auf der Karte abgefahren...

00:22:54: Und die Uniform mir angeschaut, ich glaube, das hätte phänomenal ausgesehen, die Uniform.

00:23:01: Und das hat natürlich einen gewissen Wehmut-Charakter gehabt.

00:23:05: Auch jetzt. Du hast gesagt, meine Augen leuchten so. So ein bisschen Wehmut-Charakter ist immer noch da, dass es schlussendlich nicht so geklappt hat, wie ich mir das vorgestellt habe.

00:23:15: Aber ich glaube, das ist auch ausschlaggebend.

00:23:17: So wie ich mir das vorgestellt habe. Letztlich, ja, wäre das ne aufregende Zeit und eine schöne Zeit geworden.

00:23:24: Und ja, wär man irgendwie im schönen Meer und bei Sonne gewesen, aber man arbeitet einfach sieben Tage die Woche.

00:23:29: Da ist nicht viel mit:

00:23:30: Ich mache hier Tralla-Fitti-Urlaub.

00:23:33: Deswegen haben Sie ja berechtigterweise auch mehrfach nachgefragt.

00:23:35: Genau.

00:23:35: Ihnen ist schon klar dass das sieben Tag in der Woche

00:23:37: sind?

00:23:37: Ja genau.

00:23:41: Genau deswegen.

00:23:42: Loch gefallen würde ich nicht sagen, sondern ein ganz kurzes Loch und dann habe ich mich wieder aufgerappelt und die Chancen ergriffen, die da waren.

00:23:51: Und das ist wieder einfach die Herausforderung im Leben, die man ja immer hat.

00:23:56: Selten funktionieren die Dinge so, wie ich es geplant habe.

00:24:00: Und was macht das mit deinem Lebenslauf wenn du mal drauf schaust?

00:24:04: Was bedeutet das für deine Entwicklung?

00:24:07: Das ist eine sehr gute Frage, die ich wahrscheinlich vor allem als Personaler beantworten können müsste.

00:24:14: Für mich persönlich macht das aus meinem Lebenslauf einen nicht ganz klassischen Lebenslauf, der aber zeigt, dass man oder dass ich mich insbesondere auf neue Situationen sehr schnell einstellen kann.

00:24:28: Die Personalarbeit ist so das einzige, was sich durchzieht im Lebenslauf.

00:24:32: es gibt keine Branche keine Unternehmensgröße.

00:24:34: Gut, Konzern ist raus.

00:24:37: Das habe ich nicht gehabt und vermutlich wird's das auch erst mal nicht.

00:24:42: Aber alles andere ist von Agentur-Business über öffentlichen Dienst, über jetzt Tiernahrung.

00:24:48: Über IT.

00:24:49: Es ist Personal, es ist Vertrieb auch mit dabei.

00:24:52: Es ist Marketing mit dabei, es ist Finanzen mit dabei.

00:24:55: Es ist einfach ein rundes Potpourri an Themen, die da mitspielen.

00:25:01: Was bedeutet das für deine Personalarbeit?

00:25:04: Also, wenn du dich an deinem Lebenslauf orientierst, bist du ein bisschen milder oder wirst du hellhöriger, wenn du dir Lebensläufe anschaust?

00:25:12: Ja, ich würde sagen, ja.

00:25:15: Ich hab ja auch durch meine Position nicht so wahnsinnig viele andere Personaler kennengelernt, mit denen ich zusammengearbeitet hab. Von daher ist das schwer zu vergleichen.

00:25:23: Ich würde aber durchaus sagen, dass ich da einen weiteren Blick drauf habe.

00:25:28: Ich stelle auch andere Fragen im Bewerbungsgespräch.

00:25:30: Zum Beispiel?

00:25:31: Ich habe noch nie die Frage nach "Wo siehst du dich in fünf Jahren?" gestellt, sondern ich versuche, so gut es geht, den Menschen hinter dem Lebenslauf kennenzulernen, weil ich der Überzeugung bin, hard skills und fachliches Wissen kann man sich aneignen.

00:25:48: Persönlichkeit ist schwerer zu verändern.

00:25:51: Natürlich kann man an seiner Persönlichkeit arbeiten, aber ich bin erst mal die Person, die ich bin.

00:25:55: Gerade im Unternehmenskontext.

00:25:56: Privat ist das nochmal was anderes, aber beim Unternehmenskontext muss das ja ins Team passen. Und das genau zu beleuchten, ohne zu sehr auf die fachlichen Themen zu gucken, ist glaube ich, eine Besonderheit, die ich mitbringe.

00:26:08: Also die Überschrift deiner Frage ist eher „Was treibt Dich an?“.

00:26:12: Ja, genau, was treibt dich an?

00:26:14: Und ich habe mich selten sehr auf Bewerbungsgespräche vorbereitet. Und das bewusst.

00:26:20: Natürlich muss ich den Lebenslauf durchlesen, aber... ...ich habe mich da eher bei fünf Minuten gesehen.

00:26:26: Und mir nicht überlegt, was ich frage und mir nicht überlegt, was sollen wir tun.

00:26:30: Sondern ich bin eigentlich immer dann auch eingestiegen mit: "Erzähl mir was über dich und erzähle mir bitte was über dich, was nicht in einem Lebenslauf steht."

00:26:37: Was kommen da so für Antworten?

00:26:38: Trauen die sich, direkt zu antworten?

00:26:40: Es ist wahnsinnig spannend weil sehr viele unterschiedliche Antworten kommen.

00:26:44: Die Bewerber sind oft davon etwas überfordert, dass die Frage ganz zu Beginn kommt.

00:26:50: Damit rechnet einfach keiner, sondern die denken, jetzt muss ich meinen Lebenslauf erzählen.

00:26:54: Ich leite dann auch ein und sage: "Lebenslauf habe ich gesehen, habe ich mir durchgelesen.

00:26:58: Wenn der nicht passen würde, würdest du hier nicht sitzen.

00:27:00: Erzähl mir etwas, was da nicht drin steht." Und dann kommt alles mögliche.

00:27:05: Es gibt Menschen, die eher auf private Dinge eingehen.

00:27:08: Es gibt Leute, die eh auf berufliche Dinge eingehen. Aber es kommen immer ausnahmslos wahnsinnig spannende Geschichten.

00:27:14: Du bist ja selbst das beste Beispiel, dass kein Lebenslauf linear verläuft.

00:27:19: Dass man mal links guckt, mal rechts guckt und irgendwo immer die Kirschen mitnimmt.

00:27:24: Was sind so deine drei Top-Learnings aus den unterschiedlichen Welten, in die du eingetaucht bist?

00:27:29: Dass man nicht zu viel planen darf in der Karriere.

00:27:33: Also auch ich hatte ja irgendwann mal Pläne und bin überall, aber nicht da, wo ich mir irgendwann mal gedacht habe,

00:27:39: ich möchte da hin, dass Karriere wahnsinnig viel mit Menschlichkeit zu tun hat.

00:27:46: Sehr man das oft weg reden möchte, auch als Personaler, es gibt immer dieses klassische "Sei nicht so viel im Homeoffice, dann machst du besser

00:27:54: Karriere", so diese Tipps, weil dann fällst du besser beim Chef auf.

00:27:58: Jetzt kann man natürlich erzählen und das ist auch Aufgabe vom Personal, von der Personalabteilung, da entgegenzuwirken.

00:28:04: Ist wichtig.

00:28:05: Weil

00:28:05: jeder muss natürlich befördert werden aufgrund der fachlichen und Teamkompetenz und nicht weil er mehr im Office ist als die anderen.

00:28:12: Aber natürlich hat das ne menschliche Komponente.

00:28:15: Natürlich lerne ich jemanden besser kennen, wenn er im Büro ist und es ist keine klassische Diskriminierung von den anderen, sondern manche tun sich etwas besser hervor als andere.

00:28:27: Dass Karriere und Erfolg, wie man auch immer den für sich selber definiert, nicht mit reiner Arbeitszeit zu tun hat.

00:28:34: Und deswegen ist es wichtig, dass man das auf sich selber ausrichtet, das Leben.

00:28:38: Was macht mir Spaß?

00:28:41: Ich habe als Personaler leider zu viele Menschen gesehen, die ihren Job machen, damit sie ihn gemacht haben, weil vermeintlich es nicht anders geht.

00:28:49: Und das sicherlich Situationen geben, die schwerer sind umzustellen.

00:28:54: Also, wenn ich Familie habe, ein Haus abzubezahlen hab, vielleicht ein Alleinverdiener bin, dann ist es natürlich schwer, da das Ruder rumzureißen und zu sagen, ich wollte schon immer mal Blumenverkäufer werden, jetzt mache ich lieber das.

00:29:06: Aber man hat immer die Möglichkeit, was anders zu machen. Vielleicht nicht von heute auf morgen. Aber man hat die Möglichkeit und wichtig ist, dass man glücklich ist und das gern macht.

00:29:15: Überwiegend, jeder hat einen schlechten Tag im Job.

00:29:17: Aber überwiegend, weil das merkt man an der Leistung.

00:29:22: Zur Veränderung gehört auch immer Mut und nicht jeder Mensch ist mutig.

00:29:25: Aber trotzdem muss man ja mal, wenn man sich das anschaut, so unsere Elterngeneration oder auch Großeltern-Generationen, viele von denen haben ihre Ausbildung in einem Betrieb gemacht und sind da auch in Rente gegangen. Also die Angehörigenzeit eines Unternehmens, wenn jemand zu mir sagt, ich komme neu in ein Unternehmen und er sagt, ich bin seit zehn Jahren da, denke ich wow, zehn Jahre. Das ist ein Jahrzehnt.

00:29:51: Was in zehn Jahren alles passieren kann... Und das ist ja heutzutage schon eine lange Zeit.

00:29:58: Weil Menschen mutiger werden.

00:30:00: Ja und ich glaube auch,

00:30:01: mutiger ist ja auch relativ.

00:30:04: Das kommt natürlich darauf an, wo richtet man sein Leben drauf aus?

00:30:08: Manche sind viel sicherheitsorientierter, das habe ich dann im öffentlichen Dienst gelernt.

00:30:13: Wo die lustigste Situation entstand, die ich in die Richtung jemals für mich erlebt hab.

00:30:18: Also saß ich mit der damaligen Chefin zusammen.

00:30:21: Ich glaube, wir haben uns um die betriebliche Altersvorsorge und Verhandlungen mit Verdi und Co gekümmert.

00:30:26: Dann sagte sie in irgendeinem Kontext: "Wenn du dann mal bei uns in Rente gehst, dann hast Du dies und dies... Und ich hab gemerkt, wie sich in mir alles abgeschnürt hat, weil ich mir gedacht habe,ich bin Mitte, Ende 20.

00:30:41: Nee, ich kann hier nicht in Rente gehen. Und zu dem Zeitpunkt hat es mir da wahnsinnig gut gefallen.

00:30:46: Aber ich für mich konnte mir das und wollte mir das auch nicht vorstellen.

00:30:50: Ich hätte es nie ausgeschlossen, aber ich wollte es mich nicht

00:30:52: vorstellen.

00:30:53: Deswegen stellst du auch nicht die Frage: Wo siehst du dich in fünf Jahren?

00:30:56: Genau ja weil auch das mag ja sein dass der ein oder andere das durchgeplant hat und ist auch funktioniert.

00:31:01: Auch wenn ich im Freundeskreis mich umschaue, gerade im Bereich Unternehmensberatung und Co,

00:31:07: da sind die Lebensläufe natürlich sehr stringent. Und das ist für den einen oder anderen sicherlich auch das Richtige.

00:31:12: Deswegen sage ich auch, Mut ist relativ. Und Karrierewege sind unterschiedlich.

00:31:19: Der Kern der Sache ist, glaube ich, ist man selber glücklich oder nicht?

00:31:23: Bist du glücklich?

00:31:24: Ich bin glücklich!

00:31:25: Ja...

00:31:28: Ich glaube, das können nicht viele von sich behaupten.

00:31:30: Ich glaube, es ist eine Einstellungssache, weil man findet immer Dinge, die einen nicht besonders glücklich machen und die gerade nicht so schön laufen.

00:31:38: Ja, ich würde sagen, dem klassischen glücklichen Leben hinterherzulaufen, wie auch immer man das definiert, ist ein Ding der Unmöglichkeit. Sondern wichtig ist,

00:31:48: und da geht es auch wieder um Chancen ergreifen,

00:31:51: im Jetzt leben und die Dinge anzunehmen, die positiv da sind.

00:31:55: Und in den allermeisten Lebenslagen hat man ein paar Dinge, die einfach superpositiv sind.

00:31:59: An sich darüber zu freuen und glücklich zu sein, ist glaube ich ein wichtiges Thema.

00:32:04: Lass uns mal nochmal auf deinem beruflichen Wechsel zu sprechen kommen!

00:32:10: Hast du irgendwann gemerkt... Du hast immer sehr wertschätzend von all deinen Stationen gesprochen, aber hast du irgendwo auch mal den Moment gehabt?

00:32:19: Oh nee.

00:32:19: Hier prallen Welten aufeinander.

00:32:21: Ich bleibe offen, ich gebe dem Ganzen eine Chance.

00:32:24: Aber eigentlich ist das nicht meine Einstellung zu dem wie ich arbeiten möchte Sei es heute oder in fünf Jahren.

00:32:32: Gab es da irgendwie so Momente?

00:32:34: Immer!

00:32:35: Und ich glaub, die hat jeder.

00:32:37: Also ich glaube, jeder der sagt, er hatte die nicht, ist da nicht ganz ehrlich zu sich selber. Und die gab es in jedem Job.

00:32:45: Mal schlimmer, mal weniger schlimm.

00:32:49: Aber es gab natürlich immer Momente, gerade wenn es stressig wird, wenn's hitzig wird, auch wenn Diskussionen aufkommen mit den Chefs oder auch mit den Mitarbeitern, wo man sich die Frage stellt: Ist das jetzt hier grade noch das Richtige, vertreten wir die gleichen Werte?

00:33:04: Und das ist immer was, was mir wahnsinnig wichtig gewesen ist, weil als Personaler tritt man für das Unternehmen auf. Und es ist für mich dann gekippt, wenn ich in Bewerbungsgesprächen saß und gemerkt habe, oh-oh.

00:33:17: Wenn ich wirklich ehrlich zu mir selber bin, möchte ich dieses Unternehmen gerade nicht weiterempfehlen.

00:33:23: Auch wenn man da rückblickend drauf schaut, war das sicherlich nicht dem ganzen Unternehmen geschuldet, sondern meiner ganz persönlichen Situationen in dem Moment.

00:33:31: Aber da ist es für mich gekippt.

00:33:34: Also in dem Start-up ganz am Anfang, das war natürlich einfach eine Frage von "Wie führe ich Mitarbeiter?

00:33:40: Wie gehe ich durch Krisenzeiten?"

00:33:42: Ja also heute sind der Manuel noch nicht wieder absolut im Reinen miteinander.

00:33:46: Ich glaube, es gab Zeiten, da waren wir uns uneinig und das ist aber auch okay.

00:33:51: Das gehört zum beruflichen Alltag dazu.

00:33:55: Wo es am meisten war für mich, war im öffentlichen Dienst. Was glaube ich nicht überrascht, weil ich da einfach als Typ ganz anders bin.

00:34:04: Und da hatte ich sehr viele innere Konflikte.

00:34:08: Da habe ich das selber auch nicht erkannt.

00:34:09: Ich habe eine sehr liebe Arbeitskollegin von mir gebraucht, die irgendwann zu mir ins Büro kam und gesagt hat, Nico, du siehst aus als wärst du vom Zug überfahren. Seit Wochen. Was stimmt nicht mit dir?

00:34:21: Bitte leg die Kündigung auf den Tisch.

00:34:25: Und da war ich so in meinem persönlichen negativen Strudel gefangen.

00:34:30: Da ging es mir wirklich nicht gut, es war Corona.

00:34:32: das hat natürlich auch seinen Ausschlag gegeben.

00:34:37: Die Chefin und ich, wir haben uns persönlich eigentlich ganz gut verstanden, aber einfach keine Ebene miteinander gefunden.

00:34:44: In der damaligen Führungsetage waren Dynamiken, die wirklich nicht gut waren, die sich durch Unternehmensgeschichte und Themen ergeben hatten,

00:34:54: die einfach ungesund waren und in die ich reingesogen wurde.

00:34:58: Natürlich durch die Art von Positionen, die bisher ausgefüllt habe, war immer die, die relativ nah an der Chefetage arbeitet.

00:35:06: Und da wird natürlich...die politischen Spielchen möchte ich mal nennen, werden natürlich mehr.

00:35:13: Wie trete ich auf?

00:35:14: Was kommuniziere ich wie?

00:35:17: Und da war ich für mich einfach in so einem negativen Strudel gefangen, wo ich nicht rausgekommen bin.

00:35:22: Da habe ich einfach ein bisschen Unterstützung gebraucht.

00:35:27: Das ist aber auch Wahnsinn, wie andere schon sehen, was in einem vorgeht, ohne dass man selber in Worte packen kann.

00:35:35: Ja, wenn man, glaub ich, wirklich in so einer Spirale feststeckt, und das kennt wahrscheinlich jeder von uns, da manchmal nicht selber rauskommt.

00:35:43: Das ist dieses klassische "Ich bade in Mitleid" und das klingt immer so negativ, aber manchmal hat man sehr viele negative Gedanken, die auch berechtigt sein mögen.

00:35:53: Aber du nimmst ja auch trotzdem, auch wenn irgendwie was Negatives dabei ist, immer etwas Positives mit.

00:36:01: Und für manche klingt das ja auch als Nachteil.

00:36:05: Jetzt ist er irgendwie... Hat er das gemacht,

00:36:06: hat er jenes gemacht.

00:36:07: Nichts zu 100 Prozent. Und stringent klingt für manche vielleicht nach einem Nachteil.

00:36:15: Für dich scheint es aber eine Stärke zu sein, warum?

00:36:19: Na, ich mag das einfach gerne.

00:36:21: Das ist mal die kurze Antwort und es kommt auch da auf die Situation drauf an.

00:36:27: Sicherlich ist meine Art von, wie ich arbeite, wie ich meinen Lebenslauf gestaltet habe und wie ich an Dinge herangehe, nichts für den Konzern.

00:36:36: Da ist man zu spezialisiert, da würde ich ähnlich wie im öffentlichen Dienst nicht glücklich werden.

00:36:41: Aber wenn ich die Unternehmen finde wo ich diese Eigenschaften als Stärke einsetzen kann und erst dann... Und da kommt eigentlich die Antwort auf deine Frage warum?

00:36:51: Erst dann werde ich richtig produktiv und blühe richtig auf, wenn ich schaffen kann, wenn ich gestalten kann. Egal, ob Personal oder abseits davon.

00:37:00: Wie schaffst und gestaltest Du denn?

00:37:03: Indem ich präsent bin.

00:37:04: Du verzichtest

00:37:06: also auf deine Homeoffice-Tage, oder?

00:37:08: Tatsächlich, ja.

00:37:09: Ich habe dieses Jahr zweimal Homeoffice, glaub ich, gemacht, weil der Handwerker kam.

00:37:13: Ich für mich finde Homeoffice ganz furchtbar.

00:37:16: Aber ich sage bewusst für mich, weil ich nicht der Homeoffice-Typ bin und ich brauch Menschen um mich herum.

00:37:21: Ja, ich kann besser arbeiten wenn ich im Kontakt bin und gerade eine Personalarbeit lebt davon.

00:37:27: Also auch da kommt es wieder sehr auf den Job drauf an.

00:37:32: Ein Personaler sollte aus meiner Sicht relativ präsent im Unternehmen sein, ohne zu viel Homeoffice.

00:37:39: Weil auch da die Ansprechbarriere für die Mitarbeiter natürlich sinkt.

00:37:44: Da zum Telefon zu greifen und den Personalern anzurufen, ist doch noch mal was anderes, als wenn man da vorbeiläuft.

00:37:51: Gerade für die jüngeren Generationen ist das Telefonieren so eine Sache.

00:37:55: Und es gibt immer und überall Menschen, gerade jetzt Mittelstand, das ist ja mein Ding, die nicht so gerne auf die Personalabteilung zugehen oder für sich vielleicht gar nicht feststellen, dass sie es könnten oder müssten.

00:38:07: Und wenn man dann im Unternehmen präsent ist, am Mittagstisch mit dabei ist, Kaffeeküchen-Tratsch mitmacht, kommt man so viel schneller an die Leute ran. Auch wenn sie selber noch gar nicht soweit sind, sich zu melden.

00:38:20:

00:38:21: So, dass du ihnen quasi die Entscheidung abnimmst, sich melden zu müssen.

00:38:25: Genau.

00:38:26: Und einfach präsent zu sein und ich glaube das ist, was meine Personalarbeit immer besonders gemacht hat und warum ich auch geschätzt wurde,

00:38:33: da, wo ich war, auch gerade in diesem mittelständischen IT-Unternehmen, da waren die Kollegen wahnsinnig traurig, als ich gegangen bin, was ich als großes Kompliment aufgefasst habe.

00:38:45: Ich würde aber niemals von mir behaupten, ich kann Personal so viel besser als irgendjemand anders.

00:38:51: Letztlich wenn es rein um die fachlichen Themen geht, habe ich das Hands-on gemacht.

00:38:58: Die theoretischen Vorkenntnisse sind von anderen Kollegen sicherlich viel besser.

00:39:01: Das

00:39:02: ist aber auch ein Learning meines Lebens.

00:39:04: Ich finde... Ich hab in der Theorie im Studium so viel mitgenommen. Ein Dozent hat am Ende zu mir gesagt, als ich meine Bachelorarbeit verteidigt habe,

00:39:15: Frau Steinhagen, herzlichen Glückwunsch!

00:39:16: Sie können jetzt endlich in das Berufsleben voll und ganz starten.

00:39:20: Tun sie sich und mir einen Gefallen, lassen Sie das

00:39:21: mit einem Master. Das ist viel zu trocken. Das ist nichts für Sie.

00:39:25: Und ich glaube, mein Lebenslauf ist mindestens genauso wild wie deiner,

00:39:33: dass da die Magie drin steckt, zu schauen, was kann ich mitbringen, was trage ich dazu bei?

00:39:40: Was sehe ich vielleicht anders, weil ich es nicht aus dem Buch nach Schema F mache?

00:39:46: Dass dadurch eigentlich immer die besten Sachen entstehen, dass man so ein bisschen Gefühl mitbringt, ein bisschen Wissen und ganz viel

00:39:53: Selbstbewusstsein.

00:39:54: Und wie hast du das damals empfunden als er dir das gesagt hat?

00:39:57: War das für dich eher ein Tipp, den du in dem Moment schon annehmen konntest oder hast du das erst mal als Kritik oder Handgriff verstanden?

00:40:05: Ich habe es total positiv genommen und ich dachte so, ja, er spricht mir aus dem Herzen.

00:40:09: Für mich stand immer fest: Master wird nicht stattfinden.

00:40:18: Ich war aber auch heiß, ich wollte durchstarten. Ich hab schon immer Praxis bezogen besser lernen können als rein theoretisch wie im Geschichtsunterricht wo nach Seite 32, Abschnitt drei

00:40:26: gefragt wird, dass ich genau das dahin schreibe.

00:40:28: nein ich muss selber die erfahrung machen.

00:40:30: Nur dann kann ich es auch mit Emotion und Begeisterung füllen und nur dann kann ich gut in etwas sein.

00:40:36: Aber auch das ist ja mein Weg. Und das ist, glaube ich, das Beste am älter werden werden,

00:40:42: man findet seinen Weg.

00:40:44: Es wird sehr viel ruhiger. Und das ist aber... deswegen habe ich gerade so nachgefragt.

00:40:49: Das ist ja was Ausschlaggebendes am Ende: Du hast es sofort als positiven Impuls nennen wir's mal, so wahrgenommen.

00:40:58: Du hättest es auch, von mir aus auch berechtigter Weise, da kann man drüber streiten, als Kritik wahrnehmen können und als Angriff.

00:41:05: Das ist sehr genau das Thema von heute, darum geht's. Wie nehme ich Sachen auf? Und wie verwerte ich sie?

00:41:13: Ich glaube, man kann es ja immer so oder so aufnehmen.

00:41:17: Für mich war das einfach nur ein Unterstreichen dessen, was ich selber gespürt habe.

00:41:22: Und das ist natürlich auch oft, wenn ich selber was als Angriff nehme oder als Kritik, würde ich persönlich den Tipp immer geben, überleg dir bitte, warum du das in dem Moment so auffasst.

00:41:36: Weil oft trifft das natürlich ein Trigger Point, was wahrscheinlich nicht ganz abwegig und falsch ist in dem Moment.

00:41:44: Und das Leben wird so viel einfacher wenn man die Dinge positiv nimmt.

00:41:49: Und ich finde auch, die Magie steckt so ein Stück weit darin, Kritik anzunehmen. Sowohl positive als auch negative 

00:41:56: sorgt dafür, dass ich wachsen kann.

00:41:59: Ich muss nur offen dafür sein.

00:42:01: Richtig ja.

00:42:02: Und da ist immer die Frage: Wie tue ich das?

00:42:05: Und ich glaube, das ist eine große persönliche Herausforderung.

00:42:08: Ich bin mir sicher, wir zwei teilen die Ansicht, weil Kritik anzunehmen ist nicht immer schön.

00:42:14: Tut

00:42:15: auch mal weh!

00:42:16: Absolut und es ist ja gerade negative...

00:42:19: Positive Kritik hört jeder gern, dass man gesagt kriegt, das machst du ganz toll, Mensch.

00:42:24: Super. Gesagt zu bekommen,

00:42:28: das war jetzt nicht so

00:42:29: das Gelbe vom Ei, ist natürlich deutlich schwieriger.

00:42:34: Aber sorgt dafür, dass man Wachstumspotenzial trotzdem sieht.

00:42:37: Weil wenn jemand sich nicht mal mehr die Mühe macht, dir das Feedback zu geben,

00:42:43: stimmt vielleicht auch irgendwas nicht.

00:42:45: Und man muss ja nicht, und ich glaube es ist die oder habe ich gelernt, auch die Herausforderung für viele beim Kritik annehmen,

00:42:52: Man muss das, wenn man das nicht möchte, in dem Moment auch nicht annehmen.

00:42:56: Man muss da mit dem Gegenüber auch nicht darüber diskutieren, ob das jetzt angebracht ist oder nicht.

00:43:02: Aber das persönlich anzunehmen und für sich selber zu bewerten,

00:43:06: egal zu welchem Ergebnis

00:43:08: ich komme, aber ehrlich drüber nachzudenken, das ist, glaube ich, das Geheimnis!

00:43:13: Ich glaube, dass deine Erfahrung dafür gesorgt hat, dass du so reflektiert damit umgehst.

00:43:17: Mir blieb ja manchmal nichts anderes übrig.

00:43:21: Ich würde dich am Ende gerne noch fragen, was dein persönlicher Higher-and-Higher, also dein persönlicher Hebel ist, um dich selbst immer wieder zu pushen, herauszufordern und ein Stück weit auch vielleicht die Unternehmen, mit denen du arbeitest oder für die du arbeitest, voranzutreiben.

00:43:38: Meine Neugier, weil ich wahnsinnig neugierig bin, immer auf neue Dinge ja und das sehr vielfältig.

00:43:48: Und dann muss ich mich manchmal ein bisschen einbremsen. Wie so oft, wenn man sowas bei sich gefunden hat, hat sowohl positiv als auch negativ zugleich.

00:43:57: Aber meine Neugier, mich auch in neue Themen einzuarbeiten, und es ist auch das, was du gesagt hast, wenn du so einen wellenartigen Lebenslauf hast,

00:44:07: da bleibt dir nichts anderes übrig, als das Beste daraus zu machen, neugierig zu sein, neue Dinge zu lernen.

00:44:12: Ich glaube, dann kommt man für sich am weitesten.

00:44:14: Weißt

00:44:14: du, was das Schöne an diesem Podcast?

00:44:16: Ich darf neugierig bleiben.

00:44:18: Ich freue mich, dass du heute mein Gast warst und zumindest meine Neugierde auf dich und deine Geschichte gestillt hast.

00:44:23: Danke, dass du mein heutiger Gast war.

00:44:25: Vielen lieben Dank für die Einladung!

00:44:26: Es hat wahnsinnig Spaß gemacht.

00:44:28: Mir auch sehr.

00:44:29: Und ihr habt es mitbekommen,

00:44:30: es ist dieses Mal ein Videopodcast.

00:44:32: Nächstes mal hört ihr wieder mehr als das ihr seht.

00:44:35: aber wir wollten einfach mal die Chance nutzen, dass Nico gerade in unserem beschaulichen Paderborn ist und uns besucht.

00:44:40: Schön, dass du da warst.

00:44:40: Danke.

00:44:41: War sehr schön.

00:44:43: Redaktioneller Hinweis: Uns ist wichtig, dass sich alle angesprochen fühlen.

00:44:48: Egal, welches Geschlecht, welche Identität oder Ausdrucksform.

00:44:51: Im Eifer des Gesprächs passiert es manchmal, dass wir nicht konsequent Gendern oder unterschiedliche Formen nutzen.

00:44:57: unsere Gäste sollen selbst entscheiden wie sie sprechen möchten und wir geben niemanden etwas vor.

00:45:02: Aber die Grundidee dieses Podcasts ist klar: Wir meinen immer alle Menschen. Und niemand soll sich ausgeschlossen fühlen.

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